48.1351° N / 11.5820° E
Ein Ereignis findet einmal statt. Das Bild muss trotzdem sitzen — auch dann, wenn es dafür keine Vorlage gibt.
Der erste Job in München war Trailerschnitt. Genommen hat er ihn nicht wegen der Trailer, sondern wegen des Flame — der Maschine, an der damals alles entstand, was nach Zukunft aussah. Zwei Jahre später saß er daran.
Übersicht
Live-Ereignisse erzählen, während sie stattfinden. Regie, Redaktion, Kamera, Analyse — meistens für ein Millionenpublikum.
01
Acht Stopps pro Saison, World Feed, weltweit. 390 km/h, zehn Meter über dem Boden. Ein Zeitplan ist beim Air Race eine Absichtserklärung — geflogen wird, wenn das Wetter es zulässt.
Editorial Director über mehrere Saisons, namentlich im Abspann — zuständig für das Hauptprodukt, die Live-Sendung im World Feed, also das Signal, das an alle Rechteinhaber weltweit ging. Im Anschluss an das Rennen dann die Verwertung als Sendung: das Highlight-Magazin. Acht Stopps pro Saison, Las Vegas, Lausitz, Rovinj, Ascot, Budapest, Spielberg, Fort Worth — dazu Recon Flights, Streckenfilme, Pilotenporträts, Jahresrückblicke. Alles hing am Wetter: Mit 390 km/h zehn Meter über dem Boden zu fliegen geht nur bei Bedingungen, die das erlauben — und danach richtete sich der komplette Ablauf. Ein Zeitplan, der Tage vorher steht, ist beim Air Race eine Absichtserklärung.
02
Laufwege, Abstände, Abseitslinien — in das laufende Bild gerechnet, neben dem Experten im Studio. Sammer, Wontorra, Beckenbauer. Zwischen seinem Satz und dem Bild liegen Sekunden.
Mit Piero — einer ursprünglich von der BBC entwickelten Software — wird eine Spielszene im Livebetrieb auseinandergenommen: Laufwege, Abstände, Abseitslinien, Perspektivwechsel, in das laufende Bild gerechnet. Analysiert wird nicht das Bild, sondern die Szene — was auf dem Feld passiert ist und warum. Das mache ich seit 2001: Champions League, Bundesliga, Deutsche Eishockey Liga, zuletzt die Fußball-WM 2022 — für MagentaTV, produziert von Plazamedia, aus dem hybriden XR-Studio in Ismaning, nicht aus Doha. Die BILD schrieb im Sportteil vom „WM-Studio auf LSD". Sendungen, die Millionen Menschen gleichzeitig sehen. Unterrichtet habe ich die Analyse unter anderem in Saudi-Arabien. Ich bediene die Software live, neben dem Experten im Studio — über die Jahre unter anderen Matthias Sammer, Jörg Wontorra und Franz Beckenbauer. Zwischen dem Satz des Experten und dem Bild liegen Sekunden.
03
Erst ein Film über das Flugzeug. Dann der Folgeauftrag: drei Kameras, zwei in Eurofightern, eine im A400M. Der Zuschauer wechselt die Maschine, während betankt wird.
Zwei Aufträge, zwei Filme, beide über Schwarzbild. Zuerst „Flying the Eurofighter“, 2018, 360°-Dreh in Albacete — das Flugzeug selbst. Daraus wurde der Folgeauftrag: 2019 die Luftbetankung, in der Luft, mit drei Kameras — zwei in Eurofightern, eine im A400M. Der Zuschauer wechselt zwischen allen drei Maschinen, während betankt wird. Ein Durchgang, kein zweiter Take, kein Einfluss auf irgendetwas — und in 360° gibt es keine Stelle, an der eine Kamera nicht zu sehen wäre.
04
Monaco, Rom, Valencia, London, Riad. Dazu Le Mans und der Hahnenkamm. Kameras an Stellen, an denen im Rennsport keine stehen.
360°-VR-Coverage für die Formel E: Monaco, Rom, Valencia, London und Riad — fünf Strecken in einer einzigen Saison, dazu die 24 Stunden von Le Mans und das Hahnenkammrennen. Kameras an Stellen, an denen im Rennsport normalerweise keine stehen. Aus dieser Reihe wurde fünf Jahre später das POV-Projekt bei den Olympischen Spielen.
05
Kameras in den Brillen der Fahrer, LTE an den Hang gebaut. Livigno, zwei Disziplinen, erstmals bei Olympia. 34 Herren, 16 Damen. Die harte Grenze ist nicht die Bildqualität — es ist die Akzeptanz.
Kameras, in die Brillen der Fahrerinnen und Fahrer geklebt, Übertragung per LTE — in Livigno in zwei Disziplinen, Ski Cross und Snowboard Cross, und damit zum ersten Mal bei Olympischen Spielen. Im Ski Cross allein waren 34 Herren und 16 Damen ausgestattet. Davor Jahre von Tests — die Reihe, die 2018 mit dem Volleyball Masters in Wien begann. Die härteste Randbedingung ist nicht die Bildqualität, sondern die Akzeptanz — fünfzig Menschen, die um eine olympische Medaille fahren, tragen ein fremdes Bauteil im Gesicht. Das Netz dahinter war kein öffentliches: ein autarkes LTE-Netz, eigens für diese Übertragung an den Hang gebaut, von Riedel.
Sohn eines Kapitäns, mit fünfzehn Surf- und Segellehrer am Mondsee. Heute Offshore-Segler und Skipper — am Ruder, wenn es zählt, und dabei, eine Segelschule in den digitalen Betrieb zu überführen.
06
Erster bezahlter Job als Skipper: VIPs von Louis Vuitton an die Rennstrecke, auf einem vollelektrischen Foilboot. Nebenan fahren die Teilnehmer 35 Knoten. Eine Kursänderung trifft man hier nicht in Ruhe.
Mein erster bezahlter Job als Skipper. Die Aufgabe: Super-VIPs von Louis Vuitton an die Rennstrecke bringen — an Bord von THE ICON, dem vollelektrischen Foilboot von BMW und Tyde. 13 Meter, zwei 100-kW-Motoren, acht Passagiere, bis 30 Knoten. Im selben Jahr, in dem bei JOJO der AC40-Rennsimulator entstand. Im Revier ist man nicht allein: Die Teilnehmer des Rennens bewegen sich mit 35 Knoten durch dasselbe Wasser. Bei diesen Geschwindigkeiten ist eine Kursänderung keine Entscheidung, die man in Ruhe trifft.
07
Drei Stufen: Live-Online und virtuelles Studio. Der Hafenmanöver-Simulator XRNAUT, wöchentlich im Unterricht. Und myJOJO — Kurse, Community, KI-Tutor, live seit September 2026.
Sechs Jahre, drei Stufen. Live-Online und virtuelles Studio: 2020 wanderte der Unterricht in Live-Online-Studios, 2023 kam ein virtuelles Studio dazu — Theorie wird seither gesendet, nicht vorgelesen. Der Hafenmanöver-Simulator XRNAUT: seit 2022 jede Woche im Unterricht — mehrere hundert Schülerinnen und Schüler haben darin angelegt, bevor sie es am echten Boot getan haben; dazu Multiplayer-VR-Segeln und 2024 der AC40-Rennsimulator. Die interaktive Lernumgebung „myJOJO“: in Betrieb — SBF-Kurse, Skippertalk und die Akademie laufen darüber, dazu Community, KI-Tutor und wöchentliche Live-Fragestunden. Genau das, was ein Selbstlernkurs nicht hat. Alles davor lief im laufenden Betrieb, nichts im Prototypenstadium.
Die erste eigene Ausstellung war im Dezember 1998, unter dem Namen shiva01 — ein Jahr vor dem ersten bezahlten Job. Seitdem achtzehn freie Arbeiten neben dem Auftragswerk.
08
Die erste eigene Ausstellung, ein Jahr vor dem ersten bezahlten Job. Mischtechnik nach einem Text von Geoffrey O’Brien über das Verschwinden dessen, was Wissen trägt.
Elf Bilder, Acryl auf Leinwand, gezeigt unter dem Namen shiva01 bei SHAKESPEARE, Hubert-Sattlergasse 3 in Salzburg, vom 4. bis 20. Dezember 1998. Mischtechnik nach einem Text von Geoffrey O’Brien über das Verschwinden dessen, was Wissen trägt. Ein Bogen zwischen alt und neu, analog und digital — gespannt, bevor es die Begriffe dafür gab.
09
„Orfeo ed Euridice“ als virtuelle Oper im Livebetrieb. Premiere in der Corona-Zeit: 150 im Saal. Erst ein Jahr später liefen alle 500 Displays.
„Orfeo ed Euridice“ als virtuelle Oper im Livebetrieb, für die Stiftung Staatstheater Augsburg. Ausgelegt war das System auf über 500 synchrone Brillen. Die Premiere fiel in die Corona-Zeit: In den Saal durften 150. Erst ein Jahr später liefen alle 500 Displays.
10
Pioneer bringt den DVJ heraus — Bild lässt sich zum ersten Mal spielen wie Ton. Scratchen, loopen, auf den Takt legen. Kein Handbuch, keine Schule. Die erste Arbeit ohne Vorlage.
Vier Jahre Live-Visuals in Clubs und auf Festivals — für Tom Novy, zu Sets von David Guetta, Swedish House Mafia, Sander Kleinenberg und Dave Seaman. Amsterdam, London, Wien, Ibiza, Portugal, Moskau, Bukarest. Sponsor war Pioneer: Die Firma hatte gerade den DVJ herausgebracht, einen CDJ für DVDs, dazu einen Mixer, der auch Video mischen konnte. Damit ließ sich Bild zum ersten Mal spielen wie Ton — scratchen, loopen, auf den Takt legen, live. Wir gehörten zu den Ersten, die damit gearbeitet haben — zu einer Zeit, als weltweit eine Handvoll Leute dieses Gerät überhaupt in der Hand hatte. Drei Player und ein Mixer, 23.000 Euro Anlagenwert, für Bilder in einem Club. Es gab kein Handbuch und keine Schule dafür. Das ist die erste Arbeit in meinem Lebenslauf, für die es keine Vorlage gab. Es blieb nicht die letzte.
11
Jede Apparatur wäre im Bild — also ein Dolly aus einem umgebauten Rollstuhl. Flach, lautlos, ferngesteuert. DOK.fest München, zweiter Platz TechCrunch Berlin, gezeigt in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
360°-Filme standen damals still. Es gab keinen Dolly, keinen Kran, keine Schiene — jede Apparatur wäre im Bild gewesen, weil es kein Hinter-der-Kamera mehr gibt. „Fat Cap“ war die erste 360°-Dokumentation mit bewegter Kamera: mit einer Drohne und mit einem ferngesteuerten Kameradolly, den wir aus einem umgebauten elektrischen Rollstuhl gebaut haben. Der Film lief auf dem DOK.fest München und gewann den zweiten Platz bei der TechCrunch in Berlin. Der Rollstuhl war nicht die billige Lösung, sondern die richtige: flach genug, um unter der Kamera zu verschwinden, präzise genug für eine Fahrt, und elektrisch, also lautlos. Im Juni 2018 haben Daniel Man und ich die Arbeit in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste am Max-Joseph-Platz gezeigt — bei „i4c — The Magic in Virtual Reality“, einer kuratierten Ausstellung immersiver Arbeiten, auf deren Podium Edgar Reitz saß. Die Frage, die wir dort gestellt haben: Kann VR Kunst und Performance bewahren, die per Definition verschwindet?
Vier Einladungen in einem Jahr, von vier Seiten: Forschungsinstitut, Sender, Kunstakademie, Freistaat.
Gesendet haben13th Street · arte · The Biography Channel · Das Vierte · Disney Channel · The History Channel · Kabel 1 · MBC · MGM · NBC Universal International · On Demand Deutschland · ORF · Premiere · ProSieben · Red Bull TV · Sat.1 · Servus TV · Sky Deutschland · Studio Universal · SyFy · TLC · ZDF
Marken und AuftraggeberAirbus · Amorim · A.T.U · Barber & Butcher · BayWa · Bayerische Staatstheater · Bernina · BMW · BMW Museum · Bosch · Condé Nast · Continental · Cosmopolitan · Disney · Doctor Babor · Dorling Kindersley · Douglas · Eckerle · Essex · Eurofighter · Europäische Kommission · Fresenius · Garmin · GE Germany · Greenpeace · Henkel · Kaufland · Microsoft · Nintendo · OSRAM · Österreichische Post · P&G · Peugeot · Pioneer DJ · Red Bull · Red Bull Air Race · Sinn Leffers · Staji · Superpaper · Tai · Tom Novy · Vernel · Volvo · Watercult · Westwing · Wick · Wöhrl · ZDNet
30 Länder.
53 Orte.
Die Auslandsreisen beginnen nicht beim Sport, sondern im Club: Moskau, Bukarest, London, Amsterdam, Ibiza — zehn Jahre vor dem ersten Air Race. Danach zwei Monate Dreh quer durch Nigeria, ein eigener Auftrag für das nigerianische Erdöl- und Erdgasministerium. Ghana, China und Australien waren ein Auftrag: die Fresenius-Filmreihe zum Hundertjährigen, vier Kontinente. Dazu Bangladesch, Kenia, Venezuela, Saudi-Arabien, Japan, Barcelona.
Er arbeitet dort, wo etwas noch keine fertige Form hat — am Scheideweg zwischen analog und digital. Der liegt nicht fest. Er verschiebt sich, und er ist mitgegangen.
1996 schrieb er in Salzburg eine Diplomarbeit über computergestützte interaktive Multimedia. Zwei Jahre später hängte er elf Bilder in Acryl auf Leinwand an eine Wand, unter dem Namen shiva01, nach einem Text über das Verschwinden dessen, was Wissen trägt. Die Ausstellung hieß obsolete media. Der erste bezahlte Job kam ein Jahr später.
1999, München, Trailerschnitt bei Seven Senses. Genommen hat er ihn wegen der Maschine, die dort stand: ein Flame, an dem damals alles entstand, was nach Zukunft aussah.
Seitdem hat sich die Technik verändert. Die Arbeit nicht.
2006 brachte Pioneer den DVJ heraus — Bild ließ sich zum ersten Mal spielen wie eine Platte, scratchen, loopen, auf den Takt legen. Kein Handbuch, keine Schule. 2018 stand ein 360°-Film still, weil jede Apparatur im Bild gewesen wäre; der Dolly wurde ein umgebauter Rollstuhl, flach genug, um unter der Kamera zu verschwinden. 2020 liefen 500 Headsets synchron zu einer Oper. 2026 klebten in Livigno Kameras in den Brillen der Fahrer, und das LTE hing am Hang.
Schnitt, Grafik, Echtzeit, Kamera, 360°, Interaktion. Sechs Gewerke, von denen keines ein anderes abgelöst hat. Sie sind dazugekommen. Die Szenenanalyse für den Fußball läuft seit 2001 durch, neben allem anderen.
Hingekommen ist er im Flugzeug, für einen Auftrag, mit einem Rückflug im Kalender. Gereist wird immer noch. Langsamer, mit dem Schiff.
Sohn eines Kapitäns, mit fünfzehn Segellehrer am Mondsee, heute Offshore-Segler und Skipper — und dabei, eine Segelschule in den digitalen Betrieb zu überführen: Live-Online-Unterricht, ein virtuelles Studio, ein Hafenmanöver-Simulator im Wochenplan. Der Stoff, der darin vermittelt wird, ist älter als jede elektronische Navigation: Karte, Kompass, Peilung, Koppelkurs. Alles, was ohne Strom funktioniert.
Lowtech, unterrichtet mit Hightech.
Gefahren wird mit GPS und Plotter, von allen. Solange sie funktionieren. Irgendwann fällt der Strom aus, und dann zählt nicht, was das Gerät konnte, sondern was jemand im Kopf hat.